17.09.2014
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Zusammenarbeit im Jugendbereich intensiviert

Jugendsprechertreffen der ILE Gemeinden

Oberkomissar Listl: "Moderne Drogen sind eine gesellschaftliche Herausforderung auch im Gäuboden"

Straßkirchen (Straubing-Bogen): Zwei Jahre nach dem Start der "integrierten Entwicklung" konnte der Vorsitzende der ILE Gäuboden, Straßkirchens Bürgermeister Christian Hirtreiter, die neu gewählten ehrenamtlichen Jugendbeauftragten bzw. Jugendsprecher der Gemeinden der ILE Gäuboden am 12.9.2014 im Straßkirchner Rathaus bereits zum zweiten Mal willkommen heißen.

Am 30. März 2012 hatten sich die Gemeinden Aiterhofen, Feldkirchen, Irlbach, Leiblfing, Oberschneiding, Salching und Straßkirchen zur Stärkung des ländlichen Raumes zur „ILE Gäuboden“ (integrierte ländliche Entwicklung) zusammengeschlossen. Bereits 2012 konnte eine erste Besprechung der damaligen Jugendbeauftragten in Straßkirchen durchgeführt werden. Beim jüngsten Planungswochenende der Vertreter der ILE-Gäuboden-Gemeinden im Juli 2014 in der Bildungsstätte Windberg wurden die Herausforderungen für die Zukunft diskutiert. Ein intensiveres Zusammenarbeiten und ein verstärketer Erfahrungsaustausch im wichtigen Bereich "Jugendarbeit der gemeindlichen Jugendbeauftragten" war angeregt worden. Die Diskussion bei dem Wochenende zu den Themenfeldern: "Regionales Bewußtsein schaffen", "Wohnortnahe Arbeitsplätze", "Kindertagesstätten", "Energie", "Gewässerentwicklung", "Innenraumentwicklung", "Infrastruktur", Senioren, Öffentlicher Nahverkehr, Jugend- und Sozialarbeit, Moderne Verwaltung und Radwegenetz, Naherholung und Tourismus, sollte einer optimierten Strategiefindung Weg bereiten.
Gerade die aus den Gemeinderäten gewählten Jugendbeauftragten bzw. Jugendsprecher erfüllen hier eine wichtige Mittlerfunktion in der jeweiligen Heimatgemeinde.
Zunächst berichtete Kriminaloberkommissar Franz Listl von der Polizeiinspektion Straubing zu Beginn der Versammlung zu den Herausforderungen im Hinblick auf den Konsum illegaler Drogen.

Zu Beginn seines Vertrags verdeutlichte Listl die Problematik anhand alarmierender Zahlen. So gab es laut Studie des Bundeskriminalamts in Deutschland im Jahr 2013 knapp 1000 Drogentote zu beklagen. Dabei schilderte der Kriminalbeamte auch einen Fall aus Waldkirchen (Kreis Freyung-Grafenau), wo im Januar dieses Jahres zwei Männer im Alter von 31 und 32 Jahren Opfer eines tödlichen Mix aus Crystal Meth und des Narkotikums Fentanyl geworden sind. Alleine in Bayern seien im Jahr 2013 35,8 Kilogramm Crystal sichergestellt worden, was einer Steigerung von 150 Prozent innerhalb der vergangenen fünf Jahre entspreche.

Das Bundeskriminalamt geht von etwa 2500 Konsumenten aus, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher liegen dürfte. Dies insbesondere aufgrund der Vielzahl der Auslandsdelikte. Der Grund: Viele junge Menschen würden nach Tschechien fahren und sich dort auf den sogenannten „Vietnamesenmärkten" Crystal Meth besorgen und noch vor Ort konsumieren, damit werden diese Delikte in keiner deutschen Studie erfasst. Die auf den Märkten erwerbbare Droge sei immer gestreckt und werde in illegalen Drogenlaboratorien hergestellt. Schwer belastet in Sachen Crystalfälle sind die grenznahen Landkreise Schwandorf und Cham, doch auch Straubing-Bogen sei zunehmend betroffen.

"Crystal" habe es schon vor 120 Jahren gegeben. Im Zweiten Weltkrieg habe es einen wesentlichen Beitrag als Zusatz zur sogenannten „Panzerschokolade" geleistet, die wachhält, enthemmt und euphorisiert. Ausschlaggebend für den Boom sei die Legalisierung von Drogen für den Eigenbedarf in Tschechien im Jahr 2010 gewesen, so Listl. "Crystal Meth" werde meist in Tschechien, teils in Polen, synthetisch hergestellt aus frei verkäuflichen Bestandteilen. Grundstoff seien Grippemedikamente. Diese würden kombiniert mit anderen Stoffen wie beispielsweise Frostschutzmittel oder Batteriesäure, um die Stärke der Droge zu intensivieren. In der Herstellung koste ein Gramm 25 bis 40 Euro, im Weiterverkauf werde es für bis zu 200 Euro angeboten.

Franz Listl wies explizit darauf hin, dass insbesondere „Leute aus der Mitte der Gesellschaft, die mehr leisten wollen" "Crystal Meth" konsumieren. Jugendliche seien besonders leicht verführbar, weil sie sich in ihrer ganz persönlichen Phase der Identitätsfindung befinden, in der sie Grenzen ausloten, besonders risikobereit sind und sich dem Gruppenzwang beugen.

"Crystal Meth" führe sehr schnell zu psychischer und körperlicher Abhängigkeit. Beschaffungskriminalität und soziale Probleme seien die Konsequenzen, welche sich im sozialen Umfeld aber insbesondere auch in den Kommunen niederschlagen. Der Konsum dieser Droge unterdrücke Müdigkeit, Angst und Schmerz und wirke leistungssteigernd. Nach einiger Zeit setzen Nierenschäden ein, es kommt zu einer starken Gewichtsabnahme, Bluthochdruck und zur Austrocknung der Mundschleimhäute. Starker körperlicher Verfall mit einhergehenden Hautentzündungen und dem Ausfall der Zähne setze ein.

Persönliche Gespräche, das Mitteilen eigener Sorgen und informiert zu sein seien wichtig, betonte der mitreißende Redner Franz Listl. Hilfe bieten im Auftretetensfall auch Suchtberatungsstellen der Diakonie und der Caritas oder die zuständigen Dienststellen im Landratsamt. Da auch im Bereich der Gäubodengemeinden Fälle auftreten, sei deutlich, dass sich dieser Drogenkonsum nicht auf städtische Segmente beschränkt. Zusammenarbeit sei hier wichtig. Hierbei könnten regionaltypische Besonderheiten eingebunden und Netzwerke aufgebaut bzw. bestehende Netzwerke weiter aktiviert werden. Das Ziel der interkommunalen Zusammenarbeit soll sein, die Aufgaben noch qualifizierter und effektiver zu bewältigen, den Service und die Qualität für die Bürgerinnen und Bürger zu verbessern und langfristig die Erledigung der Aufgaben wirtschaftlicher zu gestalten.
Ein Teil der interkommunalen Zusammenarbeit ist auf der Verwaltungsebene und bei den Bauhöfen bereits realisiert. Es wurde betonte, dass die Jugendarbeit neben der Seniorenarbeit, wo ebenso bereits auf ILE-Ebene Vorbereitungen für eine verstärkte Vernetzung laufen, mögliche positive Entwicklungen bei einer noch intensiveren Zusammenarbeit anschieben könnten.


Die Jugendbeauftragten der Gemeinden Aiterhofen, Feldkirchen, Irlbach, Leiblfing, Oberschneiding, Salching und Straßkirchen diskutierten im Straßkirchner Sitzungssaal des Rathauses wie "gemeindliche Jugendarbeit" im Rahmen einer integrierten ländlichen Entwicklung gemeinschaftlich optimiert werden könnte: Im Bild jeweils von rechts: Franz Kettl (Feldkirchen), Michael Schütz (Leiblfing), Thomas Englberger (Aiterhofen), Stefan Buchner (Aiterhofen), Stefan Zellmer (Oberschneiding), Adolf Ehrl (Straßkirchen), Michael Bachl-Staudinger (Irlbach), dem Vorsitzenden der ILE Gäuboden Christian Hirtreiter (links) und dem Referenten Oberkommissar Franz Listl (2.v.li.)

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